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Donnerstag, 21.10.2004

Verurteilter Rechtsradikaler trainierte Jugendmannschaft
Dieses Mannschaftsbild mit dem - inzwischen ausgeschiedenen - Jugendtrainer veröffentlichte Grün-Weiß auf seiner Homepage.

Siegen. (ng) Dass Neonazis und Rechtsextremisten ihre Weltanschauung mit Vorliebe im Fußballumfeld verbreiten, ist längst bekannt. Nicht bekannt war bisher, dass bei den Vereinen Grün-Weiß Siegen und Sportfreunde Obersdorf/Rödgen (beide bilden im Jugendbereich eine Spielgemeinschaft) ein Trainer tätig war, der auf eine lange "braune Karriere" zurückblickt.

Martin S., führendes Mitglied der rechtsextremen Sauerländer Aktionsfront, mehrfach einschlägig vorbestraft, trainierte fast ein Jahr lang die gemeinsame D 1-Jugendmannschaft der Vereine. Erst als die antifaschistische "Projektgruppe Reader", die 1994 durch das Buch "Rechtsextremismus im Siegerland" bekannt geworden ist, sich mit den Aktivitäten von Martin S. befasste, war damit Schluss.

Bei beiden Vereinen sei S. nur unter dem Nachnamen seiner Frau aufgetreten, versichern die Vorsitzenden Gerd Stöckle (Grün-Weiß) und Klaus Krämer (Sportfreunde Obersdorf). Man habe von seiner Neonazi-Vergangenheit nichts gewusst und auch den eigentlichen Namen nicht gekannt. Beim Einwohnermeldeamt ist aktenkundig, dass S. nur seinen Geburtsnamen zu Recht führen darf. Weder hat er den Namen seiner Frau angenommen noch einen Doppelnamen.

In Fußballerkreisen ist S. durchaus bekannt beziehungsweise berüchtigt: Er war Mitherausgeber der braunen Postillen "Siegener Bärenruf" und "Sprung auf - Marsch, marsch", die regelmäßig im Verfassungsschutzbericht genannt wurden. Die Hooligan-Gruppe "Siegener Bärensturm" fiel 1995 im Leimbachstadion auf, als sie bei einem Sportfreunde-Spiel per Transparent für die Freilassung des US-amerikanischen NSDAP-Führers Gary Lauck demonstrierte. 1998 hatte S. auf seiner Homepage anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft Mitfahrplätze für den "Frankreich-Überfall" angeboten: Bekanntlich schlugen und traten damals deutsche Hooligans einen französischen Polizisten fast zu Tode.

Informationen fünf Wochen lang nicht weitergegeben

Die Projektgruppe informierte am 19. Juni 2004 den Vorsitzenden von Grün-Weiß, Stöckle, über die Identität und den politischen Hintergrund des Trainers. Der Briefschreiber Peter Beier bekam allerdings keine Antwort. Auch der Vorstand der Sportfreunde Obersdorf wurde von Grün-Weiß in keiner Weise informiert. "Ich erfuhr erst fünf Wochen später von der Sache, als die Projektgruppe mich direkt anschrieb", sagte Krämer. "Natürlich war ich total geschockt. Mit Rechtsextremisten wollen wir absolut nichts zu tun haben."

Auch Stöckle wurde aktiv - allerdings gegen die Projektgruppe. Er erstattete Anzeige, weil er sich durch deren Recherchen genötigt fühlte. "Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Siegen wurde aber gleich so schnell wieder eingestellt, dass wir erst im Nachhinein überhaupt etwas davon mitbekommen haben", sagte Beier.

Gegenüber der WR spielte der Grün-Weiß-Vorsitzende die Sache herunter: Die D 1-Mannschaft sei allein von der Ehefrau trainiert worden, S. habe "nur ab und zu auf dem Platz dabeigestanden und manchmal ein bisschen mitgemacht, wie andere Eltern junger Spieler das auch mal tun". Die braunen Aktivitäten von S. seien längst erledigt, wie dieser ihm versichert habe. Beide Eheleute seien übrigens nie Mitglieder von Grün-Weiß gewesen.

Merkwürdig ist angesicht dieser Schilderungen, dass monatelang auf der Website des Vereins ein - inzwischen entferntes - Mannschaftsfoto mit dem Trainer S. im Mittelpunkt prangte.

"Dass sich jemand wie S. einschleicht, dazu noch unter falschem Namen, das kann man den Vereinen wirklich nicht anlasten", meint Beier. "Aber wie unterschiedlich die Vereine damit umgegangen sind, als der Trainer dann enttarnt war, das spricht schon Bände." Nur die Sportfreunde Obersdorf hätten schnell und konsequent reagiert.

Die Rundschau bekam bei ihren eigenen Recherchen von Stöckle den klaren Hinweis, über die Verbindungen zwischen S. und Grün-Weiß nichts zu veröffentlichen. Andernfalls werde er den Staatsschutz in Hagen informieren.

21.10.2004    
 

 

 

 

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