Hilchenbacher Bündnis für Toleranz und Zivilcourage
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Prozesse gegen Nazis
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Neo-Nazi Schulte verurteilt                                                               

01.03.2002 / LOKALAUSGABE / PLETTENBERG
Plettenberg. Der 20-jährige Neonazi Christoph Schulte, aus Affeln stammend und zuletzt in Plettenberg wohnend, ist in München wegen versuchten Totschlags zu sechs Jahren Jugendhaft verurteilt worden - die Quittung für einen brutalen Überfall auf einen Griechen in München vor einem Jahr. Seine zur Tatzeit 17 Jahre alte Begleiterin erhielt eine fünfjährige Haftstrafe, drei Mitangeklagte kamen mit Haftstrafen zwischen 15 Monaten und dreieinhalb Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung davon.

Mitte Januar 2001 war es in München nach einer privaten Feier in einem Neonazi-Treff zu dem Zwischenfall gekommen                     .

Mehrere Skins traten und schlugen auf den jungen Ausländer ein, der nur durch das beherzte Eingreifen einiger junger Türken vor Schlimmerem bewahrt wurde.



Hohe Strafen für Sauerländer als längere "Nacherziehung"
01.03.2002 / überregionaler Mantelteil
München/Arnsberg/Plettenberg. Fünf und sechs Jahre für die Hauptangeklagten: Das Landgericht München I sieht die hohen Jugendstrafen , die es gestern gegen die Arnsbergerin Maria von Papen und den Plettenberger Christoph Schulte verhängte, unter dem Aspekt "länger dauernde Nacherziehung".

Fünf Monate lang hatte das Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit über jenen Überfall im Münchner Schlachthofviertel verhandelt, bei dem im Januar letzten Jahres der Grieche Artemios T. von Skinheads fast zu Tode getreten und geprügelt worden war. Erstmals waren nun Zuhörer in diesem Prozess zugelassen. Der Andrang war groß, das Medieninteresse ungebrochen. Neugierige Blicke Richtung Anklagebank. Junge Leute, brav mit kariertem Hemd gekleidet. Keine Regung zu erkennen.

Mehr als ein Jahr ist es nun her, dass die damals 17-jährige Maria stark betrunken auf der Straße den griechischen Passanten angepöbelt hatte. Sie war mit ihrem Freund Christoph nach München zu einer Geburtstagsfeier in die Gaststätte Burg Trausnitz gekommen. Die Gäste waren für die Skinheadszene typisch gekleidet, es wurden rechtsradikale Lieder gesungen.

Die junge Frau hatte offenbar das Lokal verlassen, um noch eine andere Kneipe aufzusuchen. Mit dem Griechen muss es zu einer Handgreiflichkeit gekommen sein, das Mädchen habe, so der Richter, "seine beängstigend rohe Gesinnung" offenbart. Der herbeigeeilte Freund, ebenfalls alkoholisiert, kochte vor Wut und Eifersucht und schlug zu. Artemios T. ging zu Boden und Schulte trat ihm mit seinen Stiefeln unzählige Male gegen Gesicht und Hals. Auch seine Freundin soll zugetreten haben. Für den Richter ist klar: "Sie nahmen den Tod des Opfers in Kauf."

Eine Gruppe Türken hatte den Vorfall beobachtet und war dem Opfer zu Hilfe geeilt. Was dem vermutlich das Leben rettete. Allerdings entwickelte sich eine regelrechte Straßenschlacht, "und bei einer Massenschlägerei ist eine strafrechtliche Aufklärung stets schwer", so der Richter. Aber, betonte er, es sei gut und richtig, dass die türkischen Helfer eingegriffen hätten. Als problematisch hingegen bezeichnete er die Stilisierung der Retter zu Helden. "Die türkischen Helfer wurden von Talkshow und Talkshow gereicht, dass einige Tatzeugen gar nicht mehr wussten, was sie gesehen hatten." Das sei mit ein Grund, warum er die Öffentlichkeit ausgeschlossen hätte. So erfuhr man erst jetzt bei der Urteilsverkündung, dass Schulte ohne Vater aufwuchs und "große Persönlichkeitsprobleme aufweist." Der Richter berichtete von exzessivem Alkoholkonsum bei der jungen Frau, vom Anschluss an die Skinheadszene im Jahr 2000, und dass sie sich "made in Germany" auf den Bauch tätowiert hat. Schulte hatte sie bei einer NPD-Demonstration kennen gelernt. Doch auch wenn beide betrunken waren, die Steuerungsfähigkeit also vermindert war und sich das strafmildernd auswirkte, ein "Tötungsvorsatz" habe vorgelegen, so der Richter.

Von Iris Hilberth